Markgrafen Buchhandlung Rolf J. Geilenkirchen & Tim Decker oHG


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Das Wagner-Buch des Jahres 2011:
Udo Bermbach: Richard Wagner in Deutschland. Rezeption und Verfälschungen.

Friedrich Nietzsche war es, der als Erster davon sprach, dass Richard Wagner unter Deutschen ein Missverständnis sei. Wie recht er hatte, belegt das neueste Buch von Udo Bermbach, Richard Wagner in Deutschland. Rezeption und Verfälschungen, geradezu beispielhaft, denn es hat sich zum Ziel gesetzt, die deutsche Rezeption Wagners als Missverstehen im Sinne absichtlichen Verfälschens panoramahaft vor dem Leser auszubreiten. Dazu spannt der Autor einen weiten Bogen von den ersten Wagnerbiographien über den Ersten Weltkrieg, das Dritte Reich und den Bayreuther Neuanfang nach 1945 bis hin zum Umgang mit Wagner in den Achtzigerjahren der Bundesrepublik Deutschland. Es ist der bisher umfassendste Versuch, die so folgenreiche, verfälschende Wagnervereinnahmung in Deutschland aufzuarbeiten […]

Udo Bermbach ist nach wie vor einer der wenigen wirklich profunden Kenner der Wagner-Materie, die sachlich und differenziert zu Werke gehen. Das hat er schon in seinen beiden Büchern Blühendes Leid. Über Politik und Gesellschaft in Wagners Musikdramen und Der Wahn des Gesamtkunstwerks bewiesen.  Mit seinem neuesten Buch beschließt er seine vor acht Jahren begonnene Trilogie, die sich zum Ziel setzte, „Wagners Werke, ihre ästhetisch-politische Einbettung in das Festspielkonzept sowie ihre interpretatorische Rezeption und ihre funktionale Anpassung an sich ändernde gesellschaftlich-politische Kontexte aus der Sicht des Ideenhistorikers und Politologen zusammenhängend zu behandeln.“ Die Trilogie hat ihr Vorhaben eindrucksvoll verwirklicht. Der jetzt vorgelegte Schlussstein ist neben dem Wahn des Gesamtkunstwerks sicher Udo Bermbachs bestes und wichtigstes Buch.

Dieter David Scholz

[…] Bermbachs Buch setzt Maßstäbe für das kommende Wagner-Jubiläumsjahr 2013. „Fest und dicht füllt es das Maß“, um Fafner im Rheingold leicht abgewandelt zu zitieren. Da werden natürlich noch so einige Wagner-Bücher erscheinen, aber mit Blick auf Bermbach werden sich die Verfasser anstrengen müssen: Hier ist bereits jetzt ein Pflock gesetzt, der es an Autorität mit so manchem der Wagner´schemn Machtsymbole durchaus aufnehmen kann. (Süddeutsche Zeitung, 22.07.2011)

Udo Bermbach: Richard Wagner in Deutschland. Rezeption und Verfälschungen.Metzler Verlag, 39,95 €

 



 

Der Idealtyp des aufgeklärten kritischen Wagnerianers:
Manfred Egers „Auf dem Weg nach Wahnfried“

 Wie der Mann, so sein Stil. Wer Manfred Eger kennt, schätzt ihn als Repräsentanten einer möglicherweise aussterbenden, höchst angenehmen Gattung: der humorvolle Gentleman. Die Bayreuther Museumslandschaft und, darüber hinaus, die Wagnerforschung, haben ihm viel zu verdanken, denn ihm, dem Kulturjournalisten, wurde vor drei Jahrzehnten die Aufgabe übertragen, das neu gegründete Richard-Wagner-Museum samt Archiv zu leiten. Er hat diese Arbeit achtungsgebietend realisiert, interessante Ausstellungen konzipiert, darüber hinaus im Jahre 1980 das Jean-Paul-Museum mit der Sammlung Hausser eingerichtet und, ganz zuletzt, das Lisztmuseum planen können.

Auch Sammlungen haben ihre Geschichte. In einem schön gestalteten Band – liebenswürdig wie der Autor selbst - lässt Eger diese Geschichte Revue passieren: die Geschichte all dieser Museen, die aus dem Wahnfried-Eck eine einzigartige Museumsinsel machen. Nach bedeutenden Veröffentlichungen zu Wagner & Co. hat der denkbar uneitle homme des lettres eine leicht gewirkte, anekdotengetränkte Museums- und Bibliothekshistorie samt ihrer schönen Histörchen vorgelegt, die uns Einblicke in ein Egerland gibt, das wir bislang kaum kannten. Er erzählt vom Beginn der Sammlung und den alten Räumen im Neuen Schloss, von den Problemen der damaligen Präsentation, er berichtet vom Entdeckerglück des Museumsleiters, der die Tabulatur aus Wieland Wagners „Meistersinger“-Inszenierung und seltene Wagnerillustrationen aufspürte, er berichtet von den 96 Stunden vor der Eröffnung im Jahre 1976, in denen bis zur totalen Erschöpfung durchgearbeitet wurde. Persönlichkeiten werden, im Großen und im Kleinen, lebendig: Chamberlain, der widersprüchliche Denker, in dessen Haus einmal die Verwaltung untergebracht war, Richard Burton, der Wagners echten Sonnenhut tragen durfte, Leonard Bernstein, der „Manfred“ das Du anbot – und Winifred Wagner, für die Manfred Eger ausgewogene Worte des warmherzigen Lobes findet. Dazwischen gestreut: Erörterungen von Fragen, auf die man erst einmal kommen muss („Wie groß war Wagner eigentlich?“), um festzustellen, dass selbst auf nebensächlichen Terrains die Irrtümer grassieren. Gegen Legenden anzugehen und Irrtümer zu bekämpfen: dieses vitale Interesse des Journalisten, der Manfred Eger, zum Glück seiner Leser, immer geblieben ist, zieht sich wie ein Ariadnefaden durch das Buch. Der angeblich von Wagner gestohlene Tristan-Akkord, Nietzsches Lügen und Angriffe gegen Wagner, die neuerliche Publikation der As-Dur-Elegie – damit sind nur einige der großen und nicht so kleinen Themen angerissen, die Eger in den letzten Jahren beackerte und einem neuen interessierten Publikum in Kurzform darreicht.

„Auf dem Weg nach Wahnfried“ ist also nicht allein eine lokale Museumsgeschichte. Es bietet einen Querschnitt durch das Lebenswerk eines engagierten Wagnerianers, der das einstige Scheltwort mit Sinn und Freundlichkeit erfüllt hat. Er ist, Bernd Mayer hat da ganz recht, „der Idealtyp des aufgeklärten kritischen Wagnerianers“, der zwischen Kitsch und Kunst zu unterscheiden weiß – und gerade deshalb ein köstlich kurioses Kitschkabinett im Wagnermuseum einrichten konnte. Auf dem Weg nach Wahnfried hat sich Manfred Eger glücklicherweise nie verirrt.

Manfred Eger: Auf dem Weg nach Wahnfried. Verlag Ellwanger. 15,90 €

 

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