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„Kam Sommer, Herbst und Winterzeit“... Zum 19. Band der Richard-Wagner-Briefausgabe
Was tut einer, der vor wenigen Stunden so etwas Überirdisches, unaussprechlich Magisches komponiert hat wie das mirakulöse Quintett der „Meistersinger“? Er schreibt einen langen Brief, in dem wir Folgendes lesen können: „Somit ersuche ich Sie um den strikten Befehl an Ihr Cabinet zur Ausfertigung folgender Aktenstücke. 1., Ertheilung eines Ordens an Bülow. 2., Decret der Ernennung Bülow's zum Direktor der genau meinem Berichte entsprechend zu gründenden königlichen Schule für Musik und dramatische Kunst, mit Benützung der hierüber früher von mir Ihnen vorgeschlagenen Fassung. 3., Hiermit zugleich sofortige Berufung Bülow's nach München, zum Zweck aller nöthigen Abmachungen und Stipulationen" - undsoweiter... Richard Wagners Kunst wird, so lange wir uns auch mit ihr befassen, umso mehr ein Rätsel, als wir die Dokumente studieren, die über seinen Lebensgang getreulich Auskunft geben. Wie jemand die metaphysischste Musik schreiben und zugleich zielorientierte Briefe in einem ausgesprochen kanzleimäßigen Stil zu formulieren vermag: auch darüber informiert der nun vorliegende 19. Band der Sämtlichen Briefe Richard Wagners. Mit ihnen erfassen wir das relativ konfliktfreie Jahr 1867. Wagner lebte inzwischen in Tribschen, hielt aber aufgrund der verschiedensten Kunstprojekte und seiner Beziehung zu Cosima, noch verheirateter Frau von Bülow, regen Kontakt zu München und zu König Ludwig, auch zu den Ministerialbeamten am Hof des bayerischen Traumkönigs. Die höchst sorgfältige Edition überrascht diesmal durch ausgesprochen viele Erstveröffentlichungen – auch von Briefen, die im Wagner-Briefverzeichnis noch nicht aufgelistet wurden. Sie bietet 281 publizierte und 41 erschlossene Schreiben, darunter knapp 100, die bislang nicht oder nur teilweise bekannt waren, wobei der Löwenanteil bei den an Frau von Bülow gerichteten Briefen liegt. Gerade die bislang unveröffentlichten Briefe schenken uns schönste Funde. Man lese nur den langen Brief, den Wagner am 31. Oktober aus Paris schrieb, wo er sich die Weltausstellung anschaute. Wer Wagner menschlich näher kommen will, müsste nur dieses Dokument lesen. Im Übrigen mischte sich Wagner, als politisierender Gesamtkunstwerkler, auch von Tribschen aus in die Münchner Angelegenheiten ein. Es ist immer wieder erstaunlich, welche Initiativen bei Wagner parallel liefen: hier verteidigt er das autonome Kunstwerk, dort erscheint er als rhetorisch hochbegabter Schauspieler, der in den verschiedensten Sprachen spricht – und er hatte wesentlich öfter recht als gemeinhin angenommen. Hatte er auch den Plan des Festspielhauses inoffiziell ad acta gelegt, so kümmerte er sich um die Gründung der Musikschule und einer kulturpolitischen Zeitschrift. Währenddessen komponierte Wagner den dritten Akt der „Meistersinger“ zu Ende, instrumentierte den 2. und den 3. Akt, korrespondierte mit seiner Putzmacherin, mit Klavierauszüglern, Partiturstechern und Verlegern (das tägliche Handwerk), griff in die Bühnenbildgestaltung der Münchner Tannhäuser-Aufführung ein, gab Anweisungen bezüglich Minna Wagners Grabmal, fand die Kraft noch für die Schwallbriefe an den König – und verleugnete sich doch selbst hier nicht. „Mir ist einzig wohl, wenn ich volle Ruhe zum Arbeiten habe“ - dieser Satz, gerichtet an Malwida von Meysenbug, umfasst die Sehnsucht, die Wagner auch in diesem Jahr der eher bescheidenen Turbulenzen hegte. Wer Wagner als Mensch und Künstler begreifen will, ist auf die Lektüre auch dieser Briefe angewiesen. Den Rest klärt der außerordentlich reiche Kommentar und der Themenkommentar, eine kleine, konzentrierte Biographie des Jahres 1867. Zusammen mit dem exzellenten Register, das neben den Institutionen, Personen, Adressaten, Schriften und Werken wieder die Tiere Wagners auflistet (Wagners Pferd hieß Fritz, es wurde 1867 zweimal erwähnt), bietet der Lese- und Kommentartext eine schöne, durchaus am Stück lesbare Sammlung, deren Wert angesichts der vorliegenden Briefauswahlausgaben und stellenweise tendenziösen Biographien kaum überschätzt werden kann.
Richard Wagner: Sämtliche Brief, Bd. 19. Hrg. von Margret Jestremski, Breitkopf & Härtel, 51,00 €
Frank Piontek
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Oswald Georg Bauer: Wolfgang Wagner. |
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Oswald Georg Bauer: Wolfgang Wagner. Der Festspielleiter. Der Regisseur. Der Bauherr Wolfgang Wagner war fast 57 Jahre lang Leiter der Bayreuther Fetspiele. Daneben war er auch als Regisseur und als Bauherr des Festspielhauses tätig. Das Buch macht erstmals alle seine verfügbaren Texte zugänglich: Statements, Vorträge, Reden, Interviews, Gespräche usw. Sie sind das Dokument der eminenten Lebensleistung einer Persönlichkeit, die sich mit Verantwortungsbewußtsein, Begeisterungsfähigkeit, Geschick, Mut, Kompetenz und Beharrlichkeit ihren Aufgaben gestellt hat. Das geht nicht zuletzt aus den zahlreichen Interviews hervor, in denen sich Wolfgang Wagner in allen Bereichen seines Metiers erstaunlich informiert und beeindruckend beschlagen erweist, so daß ihn kaum eine Frage in Verlegenheit bringen konnte. Auch die jahrelangen Auseinandersetzungen um die Nachfolge werden durch seine Äußerungen auf eine breitere Grundlage gestellt und liefern bedenkenswerte Argumente, die bekunden, daß das Klischee vom Patriarchen, der ewig an seinem Stuhl klebt, bei weitem zu kurz greift. Ergänzt wird das Kapitel „Der Fetspielleiter“ durch eine lückenlose Dokumentation der Dirigenten, der Regisseure, Bühnen- und Kostümbildner, Choreographen, Chordirektoren, der technischen Direktion und eine Statistik der Aufführung von 1951 bis 2008. Das Kapitel „Der Regisseur“ enthält seine Inszenierungen in Bayreuth, in Berlin, an der Semper-Oper Dresden, in Italien und in Japan mit allen Spiel- und Besetzungszetteln und den dazugehörigen Texten von Wolfgang Wagner. Die Proben und die Aufführungen werden in zahlreichen Fotos dokumentiert, viele davon in Farbe und bisher unveröffentlicht, beispielsweise wie die Aufführungen des „Lohengrin“ im nächtlichen Theater in Taormina oder in der neuen Nationaloper in Tokio. Das dritte Kapitel „Der Bauherr“ bietet eine vollständiger Dokumentation der Baumaßnahmen am Festspielhaus und auf dem Areal des Festspielhauses von 1953 bis 2008 mit den entsprechenden Abbildungen: Neubauten von Probebühnen, Orchesterräumen, Chorprobensaal, Restaurant, Kantine, Sanierung des Festspielhauses, des Zuschauerraums und die Neugestaltung des Vorplatzes. In allen drei Kapiteln wird auch der Mensch Wolfgang Wagner greifbar, wie ihn Christian Thielemann im Vorwort charakterisiert, wenn im Namen aller Mitarbeiter von den „vielen wunderbaren Jahren unserer Zusammenarbeit mit Wolfgang Wagner“ spricht. Der Autor kennt als jahrzehntelanger künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter von Wolfgang Wagner seine Leistungen und seine Arbeiten wie kaum ein Zweiter. Mit diesem Buch hat er eine objektive Grundlage geschaffen für eine angemessene Beschäftigung mit Wolfgang Wagners Lebenswerk und dessen differenzierter Würdigung. Oswald Georg Bauer: Wolfgang Wagner. Der Festspielleiter. Der Regisseur. Der Bauherr, Ellwanger Verlag, 26,90 €
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Die Tony Palmer Dokumentation über die Familie Wagner |
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THE WAGNER FAMILY
Ein Film von Tony Palmer 1 DVD Laufzeit: 106 Min. in englischer Sprache Regionalcode 0 Preis: 24,95 € |
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Der Legendäre Richard Burton Wagner Spielfilm |
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WAGNER Ein Spielfilm von Tony Palmer mit Richard Burton, Vanessa Redgrave, John Gielgud u. a.Künstler: Gwyneth Jones, Peter Hofmann, Wien PO, Georg Solti In englischer Sprache mit UNtertiteln in: D, E,F, I,Sp, Jap, Port. 3 DVDs Laufzeit: 7 Stunden, 46 Min. Regionalcode: 0 Preis: 49,95 € |
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Das Wagner-Buch des Jahres 2011: |
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Udo Bermbach: Richard Wagner in Deutschland. Rezeption und Verfälschungen. Friedrich Nietzsche war es, der als Erster davon sprach, dass Richard Wagner unter Deutschen ein Missverständnis sei. Wie recht er hatte, belegt das neueste Buch von Udo Bermbach, Richard Wagner in Deutschland. Rezeption und Verfälschungen, geradezu beispielhaft, denn es hat sich zum Ziel gesetzt, die deutsche Rezeption Wagners als Missverstehen im Sinne absichtlichen Verfälschens panoramahaft vor dem Leser auszubreiten. Dazu spannt der Autor einen weiten Bogen von den ersten Wagnerbiographien über den Ersten Weltkrieg, das Dritte Reich und den Bayreuther Neuanfang nach 1945 bis hin zum Umgang mit Wagner in den Achtzigerjahren der Bundesrepublik Deutschland. Es ist der bisher umfassendste Versuch, die so folgenreiche, verfälschende Wagnervereinnahmung in Deutschland aufzuarbeiten […] Udo Bermbach ist nach wie vor einer der wenigen wirklich profunden Kenner der Wagner-Materie, die sachlich und differenziert zu Werke gehen. Das hat er schon in seinen beiden Büchern Blühendes Leid. Über Politik und Gesellschaft in Wagners Musikdramen und Der Wahn des Gesamtkunstwerks bewiesen. Mit seinem neuesten Buch beschließt er seine vor acht Jahren begonnene Trilogie, die sich zum Ziel setzte, „Wagners Werke, ihre ästhetisch-politische Einbettung in das Festspielkonzept sowie ihre interpretatorische Rezeption und ihre funktionale Anpassung an sich ändernde gesellschaftlich-politische Kontexte aus der Sicht des Ideenhistorikers und Politologen zusammenhängend zu behandeln.“ Die Trilogie hat ihr Vorhaben eindrucksvoll verwirklicht. Der jetzt vorgelegte Schlussstein ist neben dem Wahn des Gesamtkunstwerks sicher Udo Bermbachs bestes und wichtigstes Buch. Dieter David Scholz […] Bermbachs Buch setzt Maßstäbe für das kommende Wagner-Jubiläumsjahr 2013. „Fest und dicht füllt es das Maß“, um Fafner im Rheingold leicht abgewandelt zu zitieren. Da werden natürlich noch so einige Wagner-Bücher erscheinen, aber mit Blick auf Bermbach werden sich die Verfasser anstrengen müssen: Hier ist bereits jetzt ein Pflock gesetzt, der es an Autorität mit so manchem der Wagner´schemn Machtsymbole durchaus aufnehmen kann. (Süddeutsche Zeitung, 22.07.2011) Udo Bermbach: Richard Wagner in Deutschland. Rezeption und Verfälschungen.Metzler Verlag, 39,95 € Bestellen Sie per Mail über unser Kontaktformular (
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